Zukunftswerkstatt "Gemeinde"
- eine kreative Möglichkeit, sich gemeinsam die Zukunft zu erschließen
Dauer: | 6 Abende (2 Abende und 1 Samstag oder 2 Samstage) |
Teilnehmer: | 6-80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer (event. auch mehr) |
Zielgruppe: | Leitungskreise, Gemeindekreise, Mitarbeiterkreise, Gemeindefreizeit - möglichst ein breites Gemeinde-Spektrum! |
Inhalt: | Für die eigene Gemeinde Perpektiven und Ziele entwickeln, |
Ziel: | Die eigene Gemeinde-Identität finden und miteinander Schritte in eine gute Zukunft hineingehen, |
Methoden: | Kreatives Gestalten, gemeinsames Hören auf Gott, Fragen, Gespräche. |
Inhalt:
In den 60er Jahren wurden die Zukunftswerkstätten von Robert Jungk "erfunden" als Instrument, möglichst viele Menschen an Entscheidungsprozessen zu beteiligen. Die "Zukunft" sollte einen gemeinsame Sache sein. Basisdemokratie war das Schlagwort, der mündige Bürger sollte seine Zukunft selber in die Hand nehmen, anstatt sie resigniert über sich ergehen zu lassen.
Heute befinden wir uns in unseren Gemeinden in der Situation, in der sich viele resigniert zurückgezogen haben. Die Kirche erscheint als starre Bastion, an der nichts zu verändern ist. Zukunft erscheint als etwas Unbestimmbares und Bedrohliches. Eine "Endzeitstimmung" wird zunehmen.
Demgegenüber bildet die Zukunftswerkstatt "Gemeinde" einen Rahmen, um sich in einem schöpferischen Prozess, im Hören auf Gott und im gemeinsamen Gespräch die Zukunft zu eröffnen.
Kreativität ist das überraschende Wirken des Heiligen Geistes. "Hören" beinhaltet, dass Gott redet - in seinem Wort und in unsere Situation hinein - und dass wir seine Stimme vernehmen können. Gemeinschaft stiftet Jesus Christus, der die Gemeinde als seinen Leib zusammenfügt. Diese drei Elemente werden in einer "Zukunftswerkstatt" zusammengebunden. Dabei ist klar, dass Gott unsere Zukunft ist und es nicht um eine gruppendynamische Spielerei geht, sondern darum, den Willen Gottes zu erkennen und ganz konkrete Schritte in der Umsetzung zu tun. Oft sind allerdings unsere geprägten und vorgeformten Ansichten und Traditionen Hindernisse, um neue Schritte in die Zukunft Gottes tun zu können.
Deshalb geht es in einem ERSTEN TEIL der Zukunftswerkstatt "Gemeinde" darum, uns unsere Bilder von Gemeinde zu erklären und darüber ins Gespräch zu kommen. Diese Bilder werden gesammelt und erklärt, es finden sich kleine Gruppen zusammen mit gleichen oder ähnlichen Vorstellungen, um sich auszutauschen und die Bilder "auszuloten". Dieser erste Schritt ist auch eine Hilfe zum Kennenlernen und macht mit dem Thema "Gemeinde" vertraut.
Im ZWEITEN SCHRITT wird die Fantasie der Werkstatt-Teilnehmer herausgefordert. Sie sollen ihr Wunschbild von Gemeinde darstellen. Das fällt einigen nicht leicht. "Dürfen wir uns unsere Gemeinde überhaupt ausmalen und ausdenken?", wird oft gefragt. Vielfach sind die eigenen Wünsche und Idealvorstellung tief im Innern vergraben oder von negativen Erfahrungen zugedeckt. Dann ist es eine befreiende Erfahrung, wenn man einmal äußern kann, wie man sich Gemeinde eigentlich vorstellt. Je mehr man die eigenen Vorstellungen entfaltet und sich mitteilt, desto mehr wächst die Begeisterung, Gemeinde zu entwickeln, und neue Hoffnung breitet sich aus.
Das ist ein schöpferischer Akt, kreativ zu werden: Bilder werden gemalt, Grafiken entworfen, Geschichten erfunden, neue Abläufe entwickelt. Die einen malen ein Bild (z.B.: Gemeinde wie eine herrliche Landschaft mit einer Quelle in der Mitte, deren Wasser das Land fruchtbar macht), die anderen stellen aus fertigen Bildern eine Galerie zusammen, wieder andere erstellen ein grafisches Schema oder modellieren eine neue Gemeinde...
Danach werden die Entwürfe vorgestellt und mancher, der am Anfang zögerte, bekennt nachher, dass er gar nicht ahnte, was da alles an Fantasie und überraschenden Gedanken in ihm schlummerte.
Der DRITTE SCHRITT ist für viele eine herbe "Bauchlandung". Es geht nun um die Diskrepanz zum gegenwärtigen Zustand der Gemeinde. Hier ist Vorsicht geboten, um nun nicht nur ins Klagen zu verfallen und über die Zustände zu schimpfen. Die Problembereiche werden genannt und nüchtern betrachtet. Was hemmt unser Gemeindeleben? Wo sind die Blockaden? Wo gibt es ständige Reibungspunkte? Hier ist eine einfühlsame Moderation gefragt, um den Dingen auf den Grund zu gehen und Vorwürfe nicht plakativ stehen zu lassen.
Wenn es nun gelingt, auch die Wirklichkeit kreativ und plastisch darzustellen, kann das wiederum ein befreiender Vorgang sein. Es wird endlich einmal klar, was schiefläuft, man darf darüber reden, was einen stört, man hört, wie es den anderen geht, und ist in seinem "Frust" nicht allein!
Hilfreich ist auch hier, den Zustand der Gemeinde nicht nur mit Worten zu beschreiben. Farben drücken aus, was man nicht in Worte fassen kann, Metaphern helfen, die Vorgänge nicht nur sachlich, sondern auch gefühlsmäßig zu verstehen. Unter Umständen ist es sinnvoll, die Situation der Gemeinde mit kleinen Figuren darzustellen und dabei herauszufinden: Wer steht in der Mitte, wer ist am Rande...?
Zu diesem Teil der Zukunftswerkstatt braucht man viel Zeit. Vielleicht brechen alte Verletzungen auf, die zu Gott gebracht werden müssen. So wie in der Seelsorge ein einzelner Mensch heil wird, kann auch eine Gemeinschaft heil werden und eine neue Identität bekommen. Der Heilige Geist schafft nicht nur neue Menschen, sondern auch eine neue Gemeinschaft.
Grundvoraussetzung ist die Offenheit und Ehrlichkeit, Dinge an- und auszusprechen, einander zu vergeben und neu anzufangen, Altes zurückzulassen und bereit zu sein, neue Schritte zu gehen.
Nun stehen zwei Modelle von Gemeinde nebeneinander: das Wunschbild und die Wirklichkeit.
In einem VIERTEN SCHRITT geht es nun darum, Wunsch und Wirklichkeit in eine Beziehung zueinander zu bringen. Welche Schritte sind nötig und welche sind möglich, um vom gegenwärtigen Zustand aus zu einer neuen Gestalt von Gemeinde zu kommen?
Dieser Teil bedeutet Arbeit! Es geht um konkrete Schritte, um Überlegungen, was ich selbst dazu beitragen kann, und um Vereinbarungen, was wir miteinander verändern wollen. Es kann sich um Kleinigkeiten handeln, die beschlossen werden, aber es wächst dabei eine neue Perspektive, Ziele werden klar, Teilziele entwickelt und es schält sich ein Weg heraus, wie diese Ziele zu erreichen sind.
Dabei ist es nicht nur entscheidend, die Ziele zu erreichen, sondern sich als Gemeinde auf den Weg zu machen, Frustration und Müdigkeit hinter sich zu lassen und sich gemeinsam neu auszustrecken nach den Verheißungen Gottes, die seiner Gemeinde gelten, und miteinander als Gemeinschaft zu leben.
Selbstverständlich sieht für jede Gemeinde und für jede Gruppe eine solche Zukunftswerkstatt "Gemeinde" anders aus. Sie ist ein gemeinsamer Prozess derer, die dabei sind. Wichtig ist, dass eine behutsame Moderation die Gedanken aufnimmt, ordnet, wieder einbringt und den Prozess begleitet und leitet.